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JournalismusReportage2023

Christmas Eve in the StuSie Lounge

Wie internationale Studierende Weihnachten feiern

Erschienen in InZeitung, Ausgabe 41 · von Melisa Mustafovic

Wie internationale Studierende in Freiburg fernab ihrer Familien Weihnachten feiern – ein Besuch im International Club des Studierendenwerks SWFR.

Mit dem Gebäude an der Basler Straße 3 bei der Johanneskirche, das heute das StudierendenWerk SWFR und damit den International Club (IC)* beherbergt, verbindet mich persönlich viel. Zu meiner Studienzeit war dort die für mich zuständige Ausländerbehörde. Bei den eher unfreiwilligen Besuchen dort ging es während mehr als zwölf Jahren »Raten Daseins« erst als Flüchtling und dann als Studentin aus Bosnien um die berühmte Visumsverlängerung. Die waren oft genug mit Emotionen verbunden, die man, überspitzt formuliert, mit Vomex und Immodium gut in Griff bekam. Welch ein Glück oder welch eine Ironie des Schicksals, dass gerade dieses Gebäude heute für junge Menschen ein Symbol der Offenheit und der Möglichkeiten ist.

Nun habe ich mich mit der Leiterin des Internationalen Clubs Yin Lin und der Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des SWFR Beate Hoffmüller verabredet, um rauszufinden, wie die internationalen Studierenden in Freiburg fernab ihrer Familien die Weihnachtsfeiertage verbringen. Für manche ist ihre Heimat zu weit weg, für andere ist die Heimreise nicht bezahlbar oder zu gefährlich.

Jedes Jahr am 24. Dezember veranstaltet der Internationale Club in der Studierendensiedlung StuSie am Seepark die Weihnachtsfeier Christmas Eve in the StuSie Lounge für Freiburger Studierende. Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist alles andere als ein müdes Fest für die Gestrandeten, es ist eine ausgelassene Christmas Eve Party. Dieses Bild habe ich vor Augen, wenn ich Yin zuhöre. Mit Glühwein, leckerem Essen, Plätzchen und Filmen fehlt es an diesem Abend an nichts.

»Generell wird aber auch in der internationalen Gemeinschaft die Zeit der Weihnachtspause genutzt, um liegengebliebene Seminararbeiten voranzutreiben, zwischendurch Freunde in anderen Städten zu besuchen, aber auch, um über sich selbst nachzudenken, zu reflektieren«, so Yin. »Da das Jahr mehr Tage als den 24.12. hat, bietet der IC gemeinsame Aktivitäten an, zum Beispiel in Form von Kulturabenden in der MensaBar«, erzählt uns Yin. Dort gibt es zum Beispiel Länderabende, an denen Studierende eigene Herkunftsländer oder Reiseländer mit deren Musik, Tänzen, Mode sowie neue Trends vorstellen.

Im Café Multilingua trifft man sich, um Fremdsprachen zu üben, aber auch um Deutschkenntnisse zu vertiefen, im Veranstaltungsort Café Senkrecht wächst der Wortschatz senkrecht in die Höhe. Im Buddy-Programm wird den Neuankömmlingen die deutsche Bürokratie zur Orientierung erklärt, in Koch- und Kreativworkshops wird zum Beispiel die usbekische Küche vorgestellt oder Aleppo-Seife hergestellt. »Dank Social Media bleiben die Teilnehmenden auch über die Studienzeit in Freiburg hinaus vernetzt«, erklärt Beate Hoffmüller.

Das IC-Team selbst ist international. Studentische Aushilfen arbeiten Hand in Hand mit festangestellten Mitarbeitenden des SWFR. Die Tätigkeit hat schon zahlreiche Lebensläufe internationaler Studierender bereichert. Yin selbst begann ihr Studium in Freiburg, seit 2013 hat sie als studentische Aushilfe im IC-Team gearbeitet, und wurde nach ihrem Abschluss die Leiterin des International Clubs – eine Erfolgsgeschichte, die von gelebter Vielfalt zeugt.