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JournalismusEssay2023

Besseres Deutsch dank DeepL Write

Erschienen in InZeitung, Ausgabe 39 · von Melisa Mustafovic-Brüstle

Wie ein KI-Sprachassistent aus Köln beim Schreiben hilft – und wie er der Oma zu ihrer bosnischen Rente verhalf.

Was hat ein milliardenschweres Unternehmen aus Köln mit Ihren Deutschkenntnissen zu tun? Mehr als Sie dachten. Das Unternehmen mit seiner von der künstlichen Intelligenz unterstützten Plattform deepL hilft Ihnen, sich in der alltäglichen, wohlgemerkt schriftlichen, Kommunikation besser auszudrücken und Ihrem Anliegen mehr Gewicht und auch Professionalität zu verleihen. Ein Segen für den Schlagabtausch mit deutschen Behörden. Das nennt sich für alle Beteiligten diverser Antragstellungen und -bearbeitungen eine Win-Win-Situation.

Doch wie funktioniert es? Sie rufen die Webseite www.deepl.com/de/write auf und geben Ihren Text im linken Fenster ein. In Echtzeit erscheint der verbesserte Text im rechten Fenster mit markierten Wörtern, damit Sie den Vergleich (Vorher-Nachher-Show) direkt nachvollziehen können. Eine klasse Sache! Selbststudium können Sie nebenher auch betreiben und bestimmte Artikel der, die, das damit üben.

Mit dieser Funktionalität, aber auch mit dem Übersetzungsdienst deepL, mit dem der KI-basierte Sprachassistent 29 Sprachen beherrscht, überzeugte das Unternehmen einwandfrei die Investoren und stieg zu Beginn des Jahres in die Liga der Einhörner auf. Nun sind diese Einhörner Schwergewichte im Vergleich zu denen, die meine Tochter auf Papier malt oder nachts mit ins Bett nimmt. Und damit nicht nur der deepL-Gründer, Dr. Jaroslaw Kutylowski, sich mit frischem Geld eindeckt, sondern auch die Oma, die auf ihr Geld seit Monaten wartet, haben wir ihr den wertvollen Tipp gegeben.

Nun müssen wir etwas ausholen: Die Oma hat Jahrzehnte lang in Bosnien gearbeitet, bevor der Krieg sie vor 30 Jahren mitsamt Familie nach Deutschland verschlagen hat. Sie hat dann Jahrzehnte lang in Deutschland gearbeitet, bevor das Alter und die schwindende Gesundheit sie in den Ruhestand geschickt haben. Nun haben die beiden genannten Staaten ein wunderbares Abkommen als Nachfolge des seit 1968 geltenden Abkommens mit der früheren Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien über soziale Sicherheit, vor allem für die gesetzliche Rentenversicherung, miteinander abgeschlossen.

Auf gut Deutsch, die Oma bekommt ihre Altersrente im Einvernehmen beider Staaten ausbezahlt. Nur muss sie für die Auszahlung der bosnischen Rente einmal im Jahr dokumentieren (und vom örtlichen Rathaus beglaubigen lassen), dass sie noch am Leben ist und nicht beispielsweise seit geraumer Zeit auf einer griechischen Insel verstorben ist und ihre Tochter ihre Rente für das Ferienhaus und ihr Airbnb kassiert. Spaß beiseite, Ordnung muss sein und so haben wir der Oma geraten, einen Text für die Deutsche Rentenversicherung mit deepL aufzusetzen. Das Ergebnis sieht dann wie in der Grafik oben aus.

Originalfassung in der InZeitung lesen