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JournalismusInterview / Reportage2015

Alpha – Beta … – ohne Eta-t!

Ein Gespräch mit Ioanna und Alex über die griechische Schule in Freiburg

Erschienen in InZeitung, Ausgabe 15 — Άνοιξη 2015 · von Melisa Mustafovic

Samstags in der Komturstraße: Wie zwei Engagierte eine ehrenamtliche griechische Schule in Freiburg aufgebaut haben – ein Ort für Sprache, Gemeinschaft und Zugehörigkeit.

Das Caritas-Gebäude in der Komturstraße 36 sieht samstags um die Mittagszeit noch recht beschaulich aus. Doch bald füllt es sich mit Leben. Kinder und Jugendliche spazieren hinein, die kleineren unter ihnen rennen sorgenfrei umher, unterhalten sich und necken sich auf dem Flur und auf den Treppen, bevor der Unterricht um 12:30 Uhr beginnt. Man hört hie und da ihre Eltern einander fröhlich grüßen: »Kalimera! Kalimera!« Eine Atmosphäre des Zuhauseankommens breitet sich schnell aus.

Die Schule lebt von einigen engagierten Köpfen, die sich dem Erhalt der griechischen Sprache und Kultur verschrieben haben. Zwei von ihnen, Alex und Ioanna, erzählen uns mehr zu ihrem gemeinsamen Projekt. Alex selbst kam vor über 20 Jahren aus Griechenland und machte seine Ausbildung zum Hotelfachmann. Hier lernte er später seine portugiesische Frau kennen, mit der er zwei Kinder hat. Eine Multikulti-Familie mit einem sozialen Manager und Allrounder als Oberhaupt. Ioanna ist die gute Seele, die stets zur rechten Zeit am rechten Ort ist und mit ihrem Feingefühl und Sinn für Organisation und Logistik unterstützend wirkt. Beide bilden ein tatkräftiges Team, welches harmonisch alle Fäden zusammenhält.

InZeitung: Was hat Euch dazu bewegt, eine griechische Schule in Freiburg ins Leben zu rufen?

Ioanna: Mit der Zeit wurde unsere griechische Gemeinde doch um ein paar Kinder reicher und wir wussten, sie sollten ihre Muttersprache erhalten. Am Anfang gab es nur einen Lehrer und zu wenige Kinder und der Unterricht fand unter der Woche statt. Das war nicht so günstig, da die berufstätigen Eltern kaum Zeit hatten, ihre Kinder zur Schule zu bringen. Manche aber haben nicht die Mühe gescheut und sind sogar nach Basel gefahren. Das war mit der Zeit doch etwas umständlich.

Alex: Dann fingen wir an in unserem Freundeskreis in Freiburg und Umgebung nachzufragen, wer überhaupt Interesse hätte, freiwillig mitzumachen, sowohl als Lehrer als auch als Teilnehmer. Das war 2012. Wir fingen zunächst mit acht Kindern unterschiedlichen Alters an. Anfangs durften wir die Räumlichkeiten der Maria-Hilf-Kirche am alten Messplatz benutzen. Mit der Zeit hat es sich herumgesprochen und immer mehr Eltern und auch engagierte, wohlgemerkt ehrenamtliche, Lehrer kamen an Bord. Mittlerweile zählt die Schule 42 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren.

Ioanna: Seit kurzem bieten wir auch Betreuung für Vorschulkinder. Eine ausgebildete Pädagogin kümmert sich liebevoll um die Kleinsten. Für gewöhnlich werden die Kinder nicht nach Alter eingeteilt, sondern nach ihren Sprachkenntnissen. Können sie etwa Griechisch gut lesen und schreiben, kommen sie direkt in die fortgeschrittene Gruppe. So haben wir jetzt vier Gruppen, um die sich abwechselnd sieben Lehrkräfte kümmern.

Alex, Du hast vorhin erwähnt, dass dieses Projekt nicht nur den Kindern zu Gute kommt, sondern auch für die Eltern selbst eine Bereicherung darstellt?

Alex: Ja, die Familien wohnen nicht nur in Freiburg, einige reisen aus Bad Krozingen, Denzlingen, Emmendingen, Kollnau, Waldkirch, Wutach, sogar aus Neuenburg an. Kommen also aus einem Umkreis von bis zu 40 km. Sie treffen sich eben samstags hier und tauschen sich gegenseitig aus.

Ioanna: Neben dem planmäßigen Unterricht studieren Kinder auch griechische Tänze ein und wir organisieren mit ihnen Feste und Aufführungen. Und die Erwachsenen machen mit.

Bekommen die Kinder auch eine Abschlussurkunde?

Ioanna: Wir können eine Teilnahmebestätigung ausstellen, allerdings ohne Noten. Die offiziellen Unterschriften kommen von den jeweiligen Lehrern und von der griechisch-orthodoxen Kirche, damit auch alles stimmt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass die ganze Schule komplett ohne Geld oder Mitgliedsbeiträge funktioniert, und es gibt keine Aufwandsentschädigung für die Lehrer. Alle machen freiwillig mit und jeder bringt sich ein, so wie er/sie kann. Das stärkt auch unsere Gemeinschaft. Unsere Lehrer haben ihr Hochschulstudium in Griechenland absolviert, darunter Rechtsanwälte und Neurochirurgen, die sich gerne in der Bildungsarbeit engagieren.

Alex: Wir stellen fest, dass in den letzten vier Jahren immer mehr Griechen als Arbeitsmigranten nach Freiburg kommen. Man hört das auch in der Stadt. Wir sind froh, die Neuen entsprechend zu integrieren.

Die Elternkultur zu pflegen, bedeutet auch ein reichhaltigeres Leben zu führen. Die heranwachsenden Kinder bekommen somit Einblicke in einen Schatz, der ihnen sonst verborgen geblieben wäre. Außerdem ist es ganz schön nett, mit den Großeltern in Griechenland ab und zu vertraut zu schnacken. Das stärkt die Familienbande.